Im 19. Jh. war die Eifel, vor allem der Islek, eine äußerst arme Gegend. Sie war ein unbeachtetes Land, ein Aschenbrödel oder Stiefkind unter den Geschwistern des Rheinlandes. Durch andauernde Mißernten und heftige Viehseuchen, aber auch durch das Festhalten an überlebten Wirtschaftsformen fristeten die Bewohner ein kümmerliches Dasein.
Im Jahre 1882 erreichte der Notstand ein solches Ausmaß, daß nur noch außerordentliche Mittel helfen konnten. So wurde 1884 ein "Eifelfonds" geschaffen, in den alljährlich 300.000 Mark von Staat und Rheinprovinz flossen. Mie diesen Maßnahmen gelang es schließlich, die ärgste Not langsam zu beseitigen.
Die Eifel war aber nicht nur ein armes Land. In ihren tiefeingeschnittenen Tälern, mit den steil aufragenden Felsen, den malerischen Dörfern und Städtchen und in den geheimnisvollen Maaren schlummerte so viel Schönheit und Eigenart, wie si wohl kaum in einer anderen Gegend Deutschlands anzutreffen sind.
Wer aber wußte, außer einigen Geologen, Forschern und speziellen Verehrern, damals schon etwas von dieser Schönheit der Eifel? Die meisten Menschen kannten sie überhaupt nicht oder hielten sie für rauh, kalt und öde. Sogar viele Eifeler kehrten ihr den Rücken und wanderten aus.

Edelgesinnte Freunde waren es, die sich in den Zeiten der ärgsten Not der Eifel annahmen. Allen voran war es der Gymnasialdirektor Dr. Adolf Dronke aus Trier, der mit einer Reihe namhafter Bewohner und Freunde der Eifel am 22. Mai 1888 in Bad Bertrich den Eifelverein gründete.
Sogleich nach der Gründung in Bad Bertrich begann Dr. Dronke, den man bald "Eifelvater" nannte, in unermüdlichem Einsatz einen Werbefeldzug für eine weitere Ausbreitung des Eifelvereins durch den Anschluß von Ortsgruppen.
Im Juli des Gründungsjahres fand Dr. Dronke auch in Neuerburg begeisterte Zuhörer und in Notar Karl Maria Albert Nels und Prälat H. J. Schütz zwei tatkräftige Eifelfreunde, die ihn schon bei der Gründung des Hauptvereins unterstützt hatten. Mit ihnen als eigentliche Initiatoren gründete er in Neuerburg eine neue Ortsgruppe, deren erster Vorsitzender Justizrat Nels wurde.

In Neuerburg hatte der Verschönerungsverein, der vermutlich in den Jahren 1865 - 1869 gegründet worden war und ebenfalls unter der Leitung von Karl Maria Albert Nels stand, bereits wertvolle Vorarbeit geleistet
Nels hatte sich mit Begeisterung den örtlichen Bestrebungen angeschlossen und in seinen 20 Morgen großen Musteranlagen Vorbildliches für die Ortsverschönerung in die Wege geleitet. Die Anlagen inmitten eines Eichen- und Buchenwaldes wurden in der damaligen Zeit viel beachtet und fanden ihre Würdigung in der Reiseliteratur (Eifelführer) und dienten zugleich als Ansporn und Beispiel für andere Aktivitäten der Stadt. In Neuerburg, wo Nels bis zu seinem Tode am 13. April 1913 lebte, prägte er durch seine uneigennützigen Tätigkeiten in verschiedenen Vereinen, Organisationen und politischen Gremien das Leben der Stadt. Angesichts solchen Einsatzes wurde ihm 1895 der Preußische Rote Adler-Orden mit Schleife verliehen.
Am 6. Juli 1907, dem Tag der Eröffnung der Eisenbahnlinie Pronsfeld - Neuerburg, für die er sich selbst bei verschiedenen Instanzen eingesetzt hatte, ehrte ihn die Stadt in hohem Maße und erklärte ihn zum Ehrenbürger der Stadt Neuerburg.

Der Junge Eifelverein entwickelte schon bald nach seiner Gründung große Aktivitäten. Bereits am 12. Juni 1889 fühlte man sich stark genug, in Neuerburg eine Hauptvorstandssitzung zu veranstalten. Viel "Prominenz" aus der gesamten Eifel reiste damals nach Neuerburg, um den einjährigen Sprößling der Eifelvereinsfamilie zu begutachten. Neuerburg reifte in dieser Zeit zu einer Perle heran.
In den folgenden Jahren wurde die Webetrommel kräftig gerührt, und die Zahl der Mitglieder wuchs von 32 auf 103.
Es zeugt auch von besonderer Wirksamkeit, daß der Hauptvorstand des Eifelvereins am 29.8.1908 wieder Neuerburg zum Tagungsort auserkoren hatte. Im Rahmen dieser Tagung des Hauptvorstandes im "Hotel zur Stadt Neuerburg" fand in Arzfeld die Enthüllung des Klöppelkriegerdenkmals durch "Eifelvater" Landrat Dr. Kaufmann statt, zu der aus Neuerburg ein Sonderzug mit über 100 Bürgern fuhr. Mittlerweile hatte sich in der Ortsgruppe Neuerburg ein Wechsel vollzogen. Der hochbetagte Geheime Justizrat Nels legte das Amt des Vorsitzenden aus Altersgründen in die Hände des damaligen Bürgermeisters Grobben, durch dessen Einfluß im Zusammenwirken mit Geheimrat Nels in Neuerburg ein langersehnter Wunsch in Erfüllung ging. Neuerburg hatte die Ehre, zur Hauptversammlung des Eifelvereins am 21./22. und 23 Mai 1910 einladen zu dürfen und Treffpunkt aller Eifelfreunde zu sein. Die damaligen "Werbemanager" gingen mit äußerster Zielstrebigkeit ans Werk und ließen "Die Perle der Westeifel" im hellsten Licht funkeln.

Der Verein blühte weiter, und alles sah nach schönerer, größerer Zukunft aus. In diesem Augenblick trat jedoch ein Ereignis ein, das in senen Folgewirkungen alle hoffnungsvollen Neuansätze zerstörte und wie so vieles andere auch den Eifelverein vorübergehend von seiner stolzen Bahn stürzte. Dies Ereignis war der Ausbruch des 1. Weltkrieges.
Den "fetten Jahren" folgten jetzt die mageren Zeiten neuer Not. Obwohl die Eifel kein direkter Schauplatz des Krieges war, litt sie als Grenzland dennoch erheblich durch die Nähe des Kampfes. Doch schon bald nachdem die Waffen ruhten, rührten sich die Männer und Frauen wieder, die von der Eifel-Idee erfaßt waren. Wenn uns auch die Namen der damaligen Initiatoren teilweise verlorengegangen sind, so wissen wir dennoch von zahlreichen Wanderungen, die eine durchschnittliche Teilnehmerzahl von ca. 20 Personen erreichten.
Aber auch auf kulturellem Gebiet sah der Eifelverein, auch die Ortsgruppe Neuerburg, ein weites Betätigungsfeld. Bei Theateraufführungen, Geschichts-, Natur- und Heimatkundevorträgen fand man stets ein aufmerksames Publikum.
Eifelfreunde waren es auch, die in Zusammenarbeit mit der Rheinischen Landesbühne am 18. Mai 1921 die Neuerburger Burgfestspiele initiierten. Von Berufsschauspielern der Landesbühne in Verbindung mit auserlesenen Kräften des heimischen Theatervereins wurden an allen Sonn- und Feiertagen bis September im Burghof, bei schlechtem Wetter im Rittersaal, klassische Schauspiele deutscher Dichter aufgeführt.
Obwohl aus den folgenden Jahren wenig Aufzeichnungen aufzutreiben waren, künden zahlreiche Fotos (vermutlich von dem Fotografen Homann) von einem regen Wanderleben.

Das Jahr 1929 brachte für die Vereinsgeschichte einen weiteren Höhepunkt. Wieder tagte der Hauptausschuß des Eifelvereins in Neuerburg. Ein großes Festprogramm umrahmt die Tagung der Eifelväter.
Kaum sind die die Ehrentage in Neuerburg vergangen, so gibt es Veränderungen im Vorstand. Nach dem Verzug von Katasterdirektor Illigens übernemmt der Kaufmann Jakob Beyer vorübergend das Amt des 1. Vorsitzenden, um es chon bald danach wieder an den Notar Hess zu übergeben. Da dieser bereits im Jahre 1934 nach Wittlich versetzt wird, kann auch er nur auf eine kurze Amtszeit zurückblicken. Dennoch berichtet das Eifelverinsblatt des Jahres 1934 von einer Versammlung, in der er mit höchster Anerkennung und innigem Dank durch den Stellvertreter Jakob Beyer verabschiedet wird.
Der neue Bürgermeister Dr. Anton Ley, der erst zwei Monate im Amt ist, scheint sofort die Sympathien der Eifelfreunde zu besitzen. Er wird einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Stellvertreter: Jakob Beyer, Kasse: Bernd Adam, Schriftführer: Lehrer Fusenig, Wegewart: Terres, Wanderwart: Thomi.
Aktive Leute sind am Werk, 14 Bänke werden aufgestellt, 8 km Wanderwege ausgebaut und gepflegt und 40 km markiert. Auch auf dem Gebiet der Fremdenwerbung muß man immer wieder tätig sein, da die bisher erreichten Erfolge zu schwinden drohen, wenn in verschiedenen Zeitungen immer wieder die schauerlichsten Dinge über die Eifel zu lesen sind. Einmalig aber ist wohl der Erfolg einer besonderen Werbeaktion, durch die die Mitgliederzahl um 40 neue Eifelfreunde auf 93 gesteigert werden konnte.
Gelobt wird der Einsatz der Neuerburger Ortsgruppe, die sich weiterhin um die Verschönerung der Heimat bemüht, die Wanderidee ständig fordert und regelmäßig an den Sitzungen des Hauptvereins teilnimmt.
In der Zwischenzeit werfen jedoch unglückselige Zeiten für unser Heimatland ihre dunklen Schatten voraus. Sorgevoll mag mancher Eifel- und Naturfreund in die Zukunft, in den damaligen Krieg geblickt haben.
Es wird ruhig im Vereinsleben, da die Einberufung zum Militär, Flucht und Evakuierungen die Menschen anderweitig beschäftigten. So sind ab den Jahren 1939/40 keine Aufzeichnungen mehr zu finden. Erst in den letzten Tagen fand der Chronist heraus, daß der Apotheker Rudolf Homann während der Kriegswirren den Vorsitz in der Ortsgruppe führte. Doch die Kriegsereignisse ließen ein geordnetes Vereinsleben nicht mehr zu. Ein Bombenvolltreffer in der Apotheke im Dezember 1944 zerstörte das Haus Homann restlos. Hierbei gerieten auch die Akten des Eifelvereins, die dort aufbewahrt waren, vollständig in Verlust. Da Herr Homann gegen Kriegsende in München verstarb, konnten keine Erinnerungen mehr weitergegeben werden, und die Vereinstätigkeit ruhte.

Harte Belastungsproben hatte der neue Vorstand mit Stadt- und Amtsbürgermeister Konrad Vogel an der Spitze gleich zu bestehen. Doch Konrad Vogel verstand es, die in alle Winde verstreuten ehemaligen Mitglieder zu sammeln und sie zur Mitarbeit zu bewegen. Obwohl noch viele Häuser in Schutt und Asche lagen, die Menschen sehr mit sich selbst und dem Wiederaufbau beschäftigt waren und nach der Inflation keine finanziellen Mittel für eine Vereinsarbeit zur Verfügung standen, gelang es den Pionieren Konrad Vogel, Walter Vanderhirtz, Bernd Adam, Hans Theis und Alois Braun, den Eifelverein wieder fest im Leben der Stadt zu etablieren. Bereits 1951, Bürgermeister Schreurs führte jetzt den Vorsitz, wird von einem sehr besinnlichen Heimatabend des Eifelvereins berichtet. Ins Programm hatte man sich damals geschrieben, die Dienzschen Anlagen unterhalb "Fort Wilhelm" wiederherzustellen und die Wanderwege zu pflegen.
Im weiteren Verlauf des Abends trug der Kirchenchor unter der Leitung von Hauptlehrer Becker alte Volkslieder vor. Ausschnitte aus dem Schaffen Eifler Dichter brachten zuerst Werke von Peter Zirbes. Weiter wurden Dichtungen von Markus Konder, Bernhard Lemling, Peter Freppert und dem gebürtigen Neuerburger Heinrich Schütz vorgetragen. Alois Braun bot in gekonnter Form einige Sagen aus der eingeren Heimat, und Lehrer Hans Theis sprach über die Geschichte der Neuerburger Kirchen und Kapellen. Zwischen den einzelnen Vorträgen erfreuten Mary Heß und Walburga Vogel mit gehaltvollen musikalischen Beiträgen.
Ein bedeutendes Stück in der Nachkriegsgeschichte des Vereins schrieb Dr. Gregor Schmitz, der über 15 Jahre die Ortsgruppe leitete. Ihm lag die Verschönerung Neuerburgs und die Verschwisterung mit unseren Partnerstädten in Luxemburg, Belgien und Frankreich besonders am Herzen, um die durch den Krieg gerissenen Wunden wieder zu heilen.
Wertvolle Unterstützung fand er bei den treuen Eifel- und Heimatfreunden Bernd Adam, Anton Fallis, Adolf Hegner, Bernhard Pütz, Ruth Homann, Alois Braun und Alois Fuchs.
Unveressen ist der Einsatz unseres allzu früh verstorbenen Geschäftsführers, Rektor Hans Theis, dem der Eifelverein bei seinen zahlreichen Ämtern und Verpflichtungen besonders am Herzen lag. Über 20 Jahre gab er einen monatlichen Vereinsbrief heraus, in dem neben aktuellen Kurznachrichten über das Leben in der Stadt, auch historische Abhandlungen über Neuerburg und die Umgebung wiedergegeben wurden. Er war es auch, der eine große Sternwanderung am 6. Mai 1956 nach Neuerburg vorbereitet und die Werbeschrift "Neuerburg" neben seinen zahllosen Veröffentlichungen über Geschichte und Sagen Neuerburgs im Eifelverein herausgegeben hatte.

Wanderungen und Busfahrten mit weit über hundert Teilnehmern wurden in dei Eifel unternommen. Daneben wurden aber auch Aufgaben des ehemaligen Verschönerungsvereins nicht vernachlässigt.
Im Einvernehmen mit der Stadt wurden alte Wanderwege freigemacht, neue Wege angelegt, Ruhebänke und Schutzhütten aufgestellt, Aussichtskanzeln aufgebaut, Blumenschmuck an den Häusern unterstützt und prämiert und Werbeprospekte herausgegeben
Im Jahre 1973 wurde mit Dank anerkannt, daß sich Otto Haussels aus Hannover für das Amt des 1. Vorsitzenden zur Verfügung stellte. Otto Haussels, dem Neuerburg bei einem Besuch so gut gefiel, daß er sich gleich hier niederließ, trug als Mann von der Presse in sorgfältiger Sammelarbeit alle Begebenheiten in und um den Eifelverein zusammen und informierte sehr ausführlich in den Aushängekästen über die bevorstehenden Wanderungen und Fahrten und über die Vereinsarbeit. Er knüpfte besondere Bande nach England, wohin einige wohlgelungene Vereinsreisen während seiner Amtszeit führten. Besonders anzuerkennen ist, daß er trotz seines schon recht hohen Alters dem jugendlichen Trend im Eifelverein sehr zugetan war, so daß sich der Wechsel zum heutigen 1. Vorsitzenden Walter Simon im Jahre 1978 im"Alter von 32 Jahren" der jüngste Vorsitzende des Eifelvereins derzeit, nahtlos vollziehen konnte. Mit Eifer widmet man sich dem Erhalt der historischen Gebäude und Plätze in Neuerburg und freut sich, als man anläßlich des 9ojährigen, die Nelsgedenktafel an der Nelsanlage und zum 100-jährigen Vereinsjubiläums 1988, den alten Wanderweg von der Braubach zum Eckelchen wiedereröffnen konnte und der Platz auf dem "Koarls Kneppchen" mit dem "Jahrhundertkreuz" als neuer Aussichtspunkt in Neuerburg für den Fremdenverkehr zu Verfügung stand.

Am 8. September 2013 feierte die Ortsgruppe des Eifelverein, ihr 125jähriges Jubiläum-verbunden mit dem Bezirkswandertag der Bezirksgruppe Bitburg-Prüm in der Stadthalle Neuerburg. Zu diesem Anlass wurde eine Gedenktafel und eine Jubiläumseiche im Stadtpark gepflanzt.

Die Ortsgruppe Neuerburg schaut mit Stolz auf ihre über 125jährige Tradition und ruft trotz des hohen Alters mit jugendlicher Frische die Eifel- und Wanderfreunde auf, in das schmucke Eifelstädtchen zu kommen und schöne und erholsame Stunden in der Südeifel zu verbringen.

Frisch auf !